Foto: Linda Hermansen, ALSH

Lars Erik Bethge, Danevirke Museum
Hauke Grella, Deutsches Museum Nordschleswig

Einführung in die Ausstellung
„Vom Grenzkampf zur kulturellen Freiheit – 100 Jahre
mit der deutschen und der dänischen Minderheit“

Landeshaus, Kiel, 13.09.2021

 

Wir haben uns sehr darüber gefreut, als uns im Herbst 2019 die Frage erreichte, ob das Deutsche Museum Nordschleswig und das Danevirke Museum im März 2020 eine Sonderausstellung in der Reihe „Kulturland Schleswig-Holstein“ zeigen könnten.

Recht schnell waren wir uns darüber einig, dass dies keine reine Ausstellung historischer Exponate aus den letzten 100 Jahren sein sollte, wie man sie in unserem Museum findet. Wir wollten eine kurze, komprimierte Zeitleiste erstellen, die nicht zuletzt darstellt, wie sich das Thema von 1920 – die deutsch-dänische Grenze – im Spiegel der deutschen und der dänischen Minderheit entwickelt hat. Schnell konnten wir uns auch auf die Idee verständigen, den geschichtlichen Abriss und ausgewählte Exponate mit Porträts von Angehörigen der Minderheiten heute zu flankieren.

Wer an unserer „Timeline“ in die Geschichte der Minderheiten seit 1920 eintaucht, der findet natürlich die allseits bekannte Erfolgsgeschichte der deutsch-dänischen Minderheitenpolitik – von einem Gegeneinander über ein Nebeneinander zu einem Miteinander, wie Karl Otto Meyer häufig in diesem Hause betont hat. Diese Geschichte ist zu Recht im Jubiläumsjahr 2020 gefeiert worden, soweit es denn die Umstände während der Pandemie erlaubten. Aber in den Ereignissen, die sich um unsere Zeitreihe schlingen, findet man auch andere große und kleine Geschichten, die davon erzählen, wie mühsam es war, bis die Abstimmungen von 1920 im deutsch-dänischen Grenzland ihre volle Wirkung entfalten konnte.

Anfang 2020 erreichte uns eine Pressemitteilung mit der Überschrift „100 Jahre deutsch-dänische Freundschaft“. Ganz so einfach war es aber nicht. Der Frieden – um nicht von Freundschaft zu sprechen – entsteht nicht automatisch mit einer Abstimmung. Beide Minderheiten begannen noch 1920, sich als nationale Minderheiten zu etablieren und Organisationen zu gründen. Dabei wurden sie von der Minderheitenpolitik in beiden Staaten begünstigt. Aber in den 1920er und 1930er Jahren stellten Mitglieder beider Minderheiten auch die neue Grenze in Frage. Dabei wurden sie von national­konservativen Kräften in Schleswig-Holstein und Dänemark tatkräftig unterstützt.

Für sie zählte das Jahrhunderte alte historische Recht auf die Region mehr als das Ergebnis eines Volksentscheids zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Geschichte. Man berief sich wahlweise auf die historische Grenzanlage des Danewerks, die seit mehr als 1000 Jahren vermeintlich greifbares Zeichen der dänischen Kulturgrenze war. Oder auf den Vertrag von Ripen, der vermeintlich im Jahr 1460 mit seinem „up ewig ungedeelt“ von Schleswig und Holstein die Rechte für die Grenzziehung im 20. Jahrhundert vorbestimmt haben soll.

Für die deutsche Minderheit kam ganz konkret hinzu, dass aus ihrer Sicht die unter­schiedlichen Regelungen der Stimmenzählung in den beiden Abstimmungszonen ein Unrecht war. Die en bloc-Abstimmung in der nördlichen Zone 1 bedeutete, dass dieses Gebiet trotz starker deutscher Enklaven an der Grenze insgesamt an Dänemark fiel. Dieses nährte bei den deutschen Nordschleswigern ein Gefühl der Ungleichbehandlung.

Besondere Sprengkraft erhielt dieses Gefühl nach der Machtübernahme der National­sozialisten in Deutschland. Sie führte in der deutschen Minderheit zu einer Nazifizierung der Organisationen und beförderte eine „Heim ins Reich“-Bewegung. Der Anschluss vieler Gebiete an Nazi-Deutschland in den 1930er Jahren nährte die Hoffnung der deutschen Minderheit auf eine Grenzrevision. Ausgerechnet mit der Besetzung Dänemarks am 9. April 1940 erhielt diese Erwartung aber einen enormen Dämpfer. Nazi-Deutschland bevorzugte eine „ruhige“ Besatzung, damit möglichst wenige Soldaten in Dänemark gebunden werden würden. Eine Grenzverschiebung wäre da kontraproduktiv gewesen. Trotzdem trug die Situation weiter dazu bei, zwischen Deutschen und Dänen im Grenzland zu polarisieren. Nach der Befreiung 1945 sah sich die Minderheit durch die Geschehnisse der Jahre 1933 bis 1945 genötigt, eine Loyalitätserklärung an Dänemark abzugeben. Diese Erklärung – mit der darin enthaltenen Anerkennung der Grenze von 1920 – bildet bis zum heutigen Tag das Fundament der deutschen Minderheit.

Südlich der Grenze hingegen ist die Befreiung im Mai 1945 ein Auftakt zu einer dänischen Bewegung, die eine politische Grenzrevision fordert. Sie erhält enormen Zulauf. Von deutscher Seite werden diese Menschen als „Speckdänen“ diffamiert, die in der existenziellen Nachkriegsnot auf materielle Unterstützung aus Dänemark setzen. Diese Nutznießer gibt es auch, keine Frage. Nicht zu vernachlässigen ist aber die Zahl jener Menschen, die 1920 deutsch gestimmt haben und dieses in der Zwischenzeit schlicht bereut haben. Viele haben auch deutsche und dänische Zweige in der Familie, und entscheiden sich nun dafür, eine andere Abbiegung zu nehmen. Es sind nicht zuletzt sozialdemokratisch orientierte Menschen, die 1920 große Hoffnungen in die Weimarer Republik gesetzt und deutsch gestimmt haben. Nun wenden sie sich bitter enttäuscht von Deutschland ab. Und – auch das gehört zum Bild – die Flüchtlingsproblematik jener Jahre stärkt ebenfalls die dänische Bewegung.

Aber da die Regierenden in Dänemark selbst den Schritt hin zu einer Grenzrevision nicht gehen mögen – nicht zuletzt aus Angst vor einer großen deutschen Minderheit – platzt der Traum. Wie nach der Enttäuschung von 1920 konzentrieren die dänischen Organisationen sich nun darauf, der größer gewordenen Minderheit einen Rahmen im Nachkriegs-Deutschland zu geben und die kulturelle Rolle des Dänischen zu stärken. Eine Anerkennung der Grenze steht dennoch für sie nicht zur Debatte. „Wir müssen keine Loyalitätserklärung abgeben, wie die deutschen Nordschleswiger, die ihren Herbergsstaat verraten haben. Unsere Loyalität gegenüber Deutschland haben wir mit dem teuersten bewiesen, was wir besaßen, das Leben und Blut unserer Söhne. Das muss genug der Loyalitätserklärung sein,“ stellt der Schmied und SSW-grande Samuel Münchow 1953 fest.

Keine Loyalitätserklärung. So blieb es, bis der SSF-Vorsitzende Heinrich Schultz 1995 – 75 Jahre nach der Abstimmung – auf den Düppeler Schanzen feststellte, dass der Volksentscheid von 1920 richtig gewesen sei und die realen Verhältnisse im Grenzland widerspiegelte. Dass es gut war, dass die späteren Versuche einer Grenzrevision keinen Erfolg hatten. Damit erkannte er quasi die Grenze an. Dies war übrigens während derselben Feierlichkeit, bei der auch der BDN-Hauptvorsitzende Hans-Heinrich Hansen sprach. Damit nahm erstmals ein Vertreter der deutschen Minderheit an dem offiziellen dänischen Gedenken der Grenzziehung als Redner teil. Ein symbolträchtiger Tag, dieser 11. Juli 1995.

Die Frage einer Grenzverschiebung war spätestens seit diesem Zeitpunkt, aber de facto schon wesentlich länger vom Tisch. Das lag nicht zuletzt an den Bonn-Kopenhagener Erklärungen von 1955. Ebenso wie die Volksabstimmung wurde aber auch diese Magna Charta der deutsch-dänischen Minderheitenpolitik nicht von Tag 1 an von den Minderheiten als Wundermittel beklatscht. Und bei der Mehrheitsbevölkerungen im Grenzland dauerte es auch seine Zeit, bis die Erklärungen sich langsam als fruchtbaren Nährboden abgesetzt hatten. Zu sehr hatte sich auch die „Politik der Nadelstiche“ eingebrannt, die in den 1940er und 1950er Jahren das Verhältnis von Mehrheit und Minderheit in Schleswig-Holstein belastete.

Aber nachdem der Geist der Bonn-Kopenhagener Erklärung in den folgenden Jahrzehnten in konkrete Regelungen umgemünzt wurde, entfalteten sie ihre Wirkung. So erhielten die Minderheiten bis in die 1970er und 1980er Jahren zunehmend Freiheit und Förderung, um ihre Sprache und Kultur und die Kontakte zum „Heimatland“ zu pflegen. Das Verhältnis zwischen der Minderheit und der Mehrheit, mit der sie zusammenlebte, wurde zunehmend harmonischer und die Grenzfrage immer irrelevanter. Befördert wurde es in den 1990ern auch durch zwei Europäischen Konventionen, der Sprachencharta (Schutz und Förderung von Sprachen (1998)) und dem Minderheiten-Rahmenüber­einkommen des Europarates (Schutz sowie Rechte und Freiheiten für Angehörige der Minderheiten (1995), die sozusagen in Verlängerung der Bonn-Kopenhagener-Erklärungen lagen. Wie stark es neben der Minderheitenpolitik auch eine Rolle spielte, dass die alten Generationen von Grenzkämpfern allmählich ihren Einfluss verloren und das zeitliche segneten, sei hier einmal dahingestellt.

In den 1980er und 1990er Jahren spielt es auch eine Rolle, dass die deutschen und dänischen Mehrheitsbevölkerungen im Grenzland sich annähern und zunehmend kooperieren. Begünstigt durch die Gründung der Region Sønderjylland-Schleswig und nicht zuletzt auch durch den Beitritt Dänemarks zum Schengener Abkommen entwickeln sich zunehmend ein gemeinsames Bewusstsein und gemeinsame Ziele. Dies rückt auch die Minderheiten in den Fokus, die mit ihrer Kenntnis beider Sprachen, Kulturen und Gesellschaften als Brückenbauer zu einer stärkeren grenzüberschreitenden Entwicklung beitragen können.

Bedeutung hat dies auch für das Verhältnis zwischen den beiden Minderheiten. Es führte zu einem öffentlichen, gegenseitigen Bekenntnis der Minderheiten zur Zusammenarbeit und zu Gemeinsamkeiten. Und sie führt zu einem größeren Selbstbewusstsein: Die Minderheiten wollen als natürlicher, gleich­berechtigter Teil der Gesellschaft wahr­genommen werden. Im Bereich der politischen Mitwirkung ist dies schon weit gediehen. In anderen Bereichen ist die Entwicklung aber noch deutlich gebremster, zum Beispiel wenn es um die Sichtbarkeit der Minderheitensprachen im öffentlichen Raum geht.

Die Grenzlinie selbst wird ab den 1990er Jahren zunehmend unsichtbarer. Erst als sie in Gegenstand von innenpolitischen Debatten über Kriminalität und Zuwanderung wird und Kopenhagen während der Flüchtlingskrise 2015 die Grenzkontrollen wieder einführt, rückt sie wieder ins allgemeine Bewusstsein. Die afrikanische Schweinepest führt dann 2019 dazu, dass Dänemark auf der Grenzlinie einen Zaun errichtet, der die Exportmärkte der ökonomisch bedeutenden dänischen Schweinezüchter beruhigen soll. Und die Corona-Pandemie führt dann ausgerechnet im 100. Jubiläumsjahr der Grenzziehung zu Grenzschließungen.

Es entsteht die Befürchtung, dass durch eine erneute physische Sichtbarmachung der Grenze – ob nun berechtigt oder unberechtigt – wieder Barrieren in den Köpfen der Menschen entstehen. Umso bemerkenswerter ist es, dass der stärker national orientierte Gedankengang, der hinter den Maßnahmen zur Schweinepest und zu Covid-19 steckt, nicht zu einer erneuten nationalen Polarisierung in der Region geführt hat. Im Gegenteil: Dem gegenüber stehen Bestrebungen von Deutschen und Dänen in der Region – egal ob Mehrheit oder Minderheit –, Grenzhindernisse gemeinsam gegenüber Kopenhagen und Berlin zu thematisieren, weil alle gleichermaßen eine grenzübergreifende Entwicklung für wünschenswert halten. Dies ist auch die Frucht der letzten 100 Jahre.

 

So viel zum kulturgeschichtlichen Teil unserer Ausstellung, in der Sie viele Dimensionen des Verhältnisses zur Grenze, zwischen Mehrheit und Minderheit, zwischen Mehrheit und Mehrheit und nicht zuletzt zwischen Minderheit und Minderheit entdecken können. Dieses vielschichtige Verhältnis spiegelt sich auch im zweiten Teil unserer Ausstellung wider, wenn wir uns mit einzelnen Mitgliedern der Minderheiten heutzutage befassen.

Für die Fotoausstellung zum Thema 100 Jahre später mit dem Titel „Gesichter 2020“ bzw. „Ansigter 2020“ haben wir uns bewusst dafür entschieden, nicht die „üblichen Verdäch­tigen“ zu zeigen. Deshalb haben wir im Winter 2019-2020 mit Anzeigen unter anderem in Flensborg Avis, im Nordschleswiger und in den sozialen Medien Angehörige der deutschen und der dänischen Minderheit aufgerufen, sich zu bewerben, wenn sie Teil der Gesichter 2020 werden wollten. Wir baten sie, uns ein paar Zeilen darüber zu schicken, was ihre Minderheit für sie im Jahr 2020 bedeutet. Und welchen Ort oder welchen Gegenstand sie besonders damit verbinden.

Gemeinsam mit den Fotografen haben wir unter den Bewerberinnen und Bewerbern 20 Menschen ausgewählt, die altersmäßig und regional das Grenzland widerspiegeln. Das ist uns halbwegs gelungen, wobei angemerkt sei, dass diese Ausstellung ausdrücklich nicht den Anspruch erhebt, die Minderheiten in Gänze darzustellen. Die Porträts zeigen vielmehr die Vielfalt der Menschen, die sich heute den Minderheiten verbunden fühlen.

Mit der Liste der 20 „Gesichter“ haben die vier Fotografinnen und Fotografen – Lene Esthave, Tim Riediger, Lars Salomonsen und Martin Ziemer – sich in die verschiedenen Winkel des Grenzlandes aufgemacht. Dabei bewegten sie sich nicht im Terra Inkognita, auf unbekanntem Terrain. Alle vier leben und arbeiten in der Region. Alle vier sind selbstständige Pressefotografen und haben dadurch bereits die Minderheiten in all ihren Facetten kennengelernt. Sie haben ein Auge für das, was hier im Mittelpunkt steht. Lene, Tim Lars und Martin haben die Menschen aufgesucht, um die Geschichten der 20 „Gesichter“ zum Jahresanfang 2020 jeweils in einem fotografisch-künstlerischen Porträt umzusetzen. Sie haben ihre individuelle Bildsprache eingebracht, um die Menschen an ihrem Lieblingsort und/oder mit ihrem Lieblingsgegenstand abzubilden. Wir finden, dass dies außerordentlich gut gelungen ist.

Gleichzeitig hat der Offene Kanal Schleswig-Holstein in Kiel die Porträtierten aufgesucht, und Videostatements von ihnen zu ihrem Verhältnis zur Minderheit eingeholt. In der Einheit von Porträts, Texttafeln und Videostatements zeigt die Ausstellung die große Spanne der Zugehörigkeit zur Minderheit.

Die „Gesichter 2020“ zeigen Herzblut und Stolz, Leidenschaft und Engagement. Sie zeigen die Liebe zur Sprache, Kultur und Geschichte. Sie zeigen eine Reflektion über die eigene kulturelle Identität und die Vielfalt im Grenzland, die in dieser Form nur den Minderheiten eigen ist. Sie zeigen den Blick für die Schönheit anderer Kulturen und den Gerechtigkeitssinn mit Blick auf andere Minderheiten, die aus dieser Reflektion gereift sind. Und sie zeigen nicht zuletzt, dass nationale Zugehörigkeit und Minderheit keine statische Größen ist, die in der Familie vererbt wird und seit Generationen bestehen muss. Auch im deutsch-dänischen Grenzland hat man zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch Ideen von „Blut und Boden“ vertreten – auf beiden Seiten. Es ist eine der größten Errungenschaften in unserer Region, dass das Bekenntnis zu einer Minderheit, zu einer Sprache und Kultur frei ist.

Bekenntnisfreiheit – diesen Begriff verbinden wir in der Regel mit der Kieler Erklärung von 1949 für die dänischen und friesischen Volksgruppen und den Bonn-Kopenhagener Erklärung von 1955 für die dänische und deutsche Minderheit. Aber jenseits der staatlichen Regulierung beschreibt er eine Wirklichkeit im Grenzland. Nämlich dass Menschen ihre nationale Identität aussuchen. Wie schon der Zustrom zu den Minderheiten rund um die Volksabstimmungen im Jahr 1920 und zur dänischen Minderheit nach 1945 zeigte, haben sich immer auch größere Mengen von Menschen entschieden, sich „neu“ den Minderheiten anzuschließen. Das waren sowohl Menschen der Region mit Wurzeln in beiden Kulturen als auch Hinzugezogene aus anderen Teilen Deutschlands und Dänemarks. Was heute anders ist, das zeigen die „Gesichter 2020“ eindrucksvoll, ist dass die Spannbreite der Identitäten größer ist als in früheren Zeiten.

Früher stellte die Nationalität im Grenzland für viele Menschen in den Minderheiten das entscheidende Koordinatensystem im Leben dar. Deutsch und Dänisch galten in vielerlei Hinsicht als unvereinbare Gegenpole. Seitdem die Individualisierung im 20. Jahrhundert zugenommen hat, ist das Nationale für die Menschen aber zunehmend nur eine von vielen Dimensionen ihrer persönlichen Identität. Das betrifft natürlich auch die Minderheiten. Seit einigen Jahrzehnten können Angehörige der Minderheit öffentlich sagen, dass sie auch die andere Sprache und Kultur schätzen, ohne dass irgend jemand daran Anstoß nimmt. Das hat auch für die Organisationen und Vereine der Minderheiten Konsequenzen gehabt: Heute steht für sie die Pflege einer Sprache und Kultur im Mittelpunkt, ohne dass damit – wie früher – die andere verpönt ist.

Ebenso wie die geschichtliche Darstellung zeigen die „Gesichter 2020“ nicht zuletzt die Annäherung der beiden Minderheiten, die in den letzten Jahrzehnten stattgefunden hat. Der gegenseitigen Auffassung als Gegenpole ist der Erkenntnis gewichen, dass die Minderheiten gewichtige Gemeinsamkeiten haben. Die deutsch-dänische Zweispra­chigkeit und die Minderheitensituation teilen sie nur miteinander und nicht unbedingt mit den Mehrheiten auf beiden Seiten der Grenze. Bei manchen jungen Menschen, das zeigt die Ausstellung deutlich, ist dies zu einer gemischten/hybriden Identität geworden, die die Minderheitensituation, das Regionale und nicht zwingend eine der Kulturen oder gar das Nationale ins Zentrum stellen.

Daraus zu schließen, dass die Minderheiten als solche sich zwangsläufig immer weiter annähern und zu bikulturellen Organisationen – quasi zwei deutsch-dänischen Minderheiten – entwickeln, wäre allerdings voreilig. Für die Organisationen und Vereine, die dahinterstehen, bleibt klar, dass sie sich einer nationalen Kultur verschrieben haben, die durch die regionale Vielfalt gefärbt ist, aber dennoch solide in der jeweils eigenen Sprache und Kultur verankert ist. Das ist nunmehr seit einem Jahrhundert die Mission dieser Institutionen und Vereine. Sie sorgen dafür, dass die Menschen 101 Jahre nach der Grenzziehung und der Gründung dieser Organisationen weiterhin die Möglichkeit haben mit ihrer Sprache und Kultur zu leben, auch wenn dies nicht die Sprache Mehrheit der Gesellschaft ist.

All dies zusammen – der Grenzfrieden, die grenzüberschreitende Kooperation, die Vielfalt, die gegenseitige Wertschätzung der Kulturen, die kulturelle Freiheit der Minderheiten­organisationen und der Individuen – all dies sind die Ergebnisse von 100 Jahren beginnend mit der Volksabstimmung von 1920. Dass dies keine Einbahnstraße ist, das zeigen etliche kleine Rückschritte, die Sie zum Teil auch in unserer Zeitleiste finden. Wir hoffen deshalb auch, dass viele Menschen die Möglichkeit haben, die Ausstellung in den kommenden Wochen zu besuchen und selbst zu erleben, wie bewegt und spannend, vorbildlich und fragil die Geschichte unseres gemeinsamen Grenzlandes gewesen ist. Denn wenn man eines aus den letzten 101 Jahren lernen kann, dann ist es: Jede Epoche braucht ihre Generation, die mit Engagement, kulturellem Verständnis und Feingefühl an diesem gemeinsamen Projekt weiterbaut, damit es auch in Zukunft eine gemeinsame Erfolgsgeschichte bleibt.

Åbningstider

Forår (01.03. – 30.04.)

 

Mandag
Lukket
Tirsdag – Søndag
10:00 – 16:00

 

Sommer (01.05. – 30.09.)

Mandag – Fredag
09:00 – 17:00
Lørdag – Søndag
10:00 – 16:00

Efterår (01.10. – 30.11.)

Mandag
Lukket
Tirsdag – Søndag
10:00 – 16:00

Vinter (01.12. – 28.02.)

Lukket

Danevirke Museum

Ochsenweg 5
24867 Dannewerk
TYSKLAND

+49 (0)4621 – 378 14
info@danevirkemuseum.de

Danevirke Museum ejes og drives af Sydslesvigsk Forening e.V.